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400 Jahre Desinfizierte Post

Briefe wurden geräuchert, gebacken oder in Essig getaucht - mit diesen Mitteln versuchten die Menschen die Ausbreitung von Pest, Cholera und Gelbfieber zu bekämpfen. 277 Belege zu desinfizierter Post versteigerte das Auktionshaus Felzmann im Juli 2019.

Wenn Sie heute in Ihrem Briefkasten einen Brief entdecken, der Löcher oder Einschnitte aufweist und mit Flecken übersät ist, würden Sie sich wahrscheinlich bei der Post beschweren. Doch dies war für die Menschen weltweit vor 400 Jahren ganz normal. Denn früher dachte man, dass Krankheiten wie Pest, Cholera und Gelbfieber über den Postweg verbreitet werden können. Daher behandelten die Post und der Staat alle Briefe, die aus Gegenden kamen, in denen Epidemien ausgebrochen waren.

In Spanien breitete sich zum Beispiel 1804 bis 1805 das Gelbfieber aus, in Deutschland brach 1831 die Cholera aus und 1899 die Pest in Indien. Sämtliche Postsendungen wurden deshalb zu Quarantäne-Stationen umgeleitet und dort desinfiziert. Dies gelang über das Räuchern mit Räucherpulver, das Eintauchen in Essig sowie das Backen in einem Ofen.

Karte von Google MapsBild vergrößern

Auf dieser Karte sehen Sie, wohin die Post, aus welchem Land, zu welchem Zielland geleitet wurde. Die blauen Pfeile zeigen den Weg über Malta, die roten über Semlin (Zemun) an. Screenshot: Google Earth

Vorab wurden Einschnitte und Löcher in die Briefe gestampft und gemeißelt, damit die Botschaft erhalten blieb, aber die Viren und Keime abgetötet wurden. „Die Bevölkerung wurde regelmäßig über die aktuellen Infektionsgebiete informiert, Konsulate verschickten jede Woche Berichte mit Informationen an die Behörden“, erklärt Philatelist und Sachbearbeiter der Sammlung Gerhard Binder. Die Anordnungen der Behörden wurden anschließend an die zuständigen Ämter vor Ort zur Verteilung und Kenntnisnahme der Menschen verschickt.

Siebenbürgen und Ungarn, gedrucktes Patent wegen der grassierenden ansteckenden Seuche, achtseitige königliche Anweisung mit Briefkopf "Christian der Sechste... König zu Dänemark und Norwegen", 1738, für die Gebiete Altona, Schleswig, über Umgang mit Pest Bild vergrößern

Dieses Patent ging an die Behörden. Es gibt an, dass Menschen aus Ungarn und Siebenbürgen aufgrund der grassierenden Seuche nicht einreisen dürfen.

Dazu gehört auch eine achtseitige Dienstanweisung von 1738 (Los 5150). Durch das „Patent“ von Christian dem Sechsten, König zu Dänemark und Norwegen, wurde angeordnet, dass die Einreise aus Siebenbürgen und Ungarn aufgrund der dort „grassierenden ansteckenden Seuche“ verboten sei und Waren, im Gegensatz zu Briefen, verbrannt werden müssen. Dieses Stück ist eines der 277 Positionen desinfizierter Post, auch Cholera-Post genannt, die während der Jubiläumsauktion des Auktionshauses Felzmann vom 2. bis 6. Juli 2019 versteigert werden.

Quarantänenhafen auf MaltaBild vergrößern

Die Post, die auf Malta desinfiziert wurde, kam über den Meerweg. Hier eine Postkarte, die den Quarantäne-Hafen zeigt.

„Bevor die Briefe beim Empfänger ankamen, wurde die Post zu Quarantäne-Stationen umgeleitet, zum Beispiel die Post auf der Mittelmeer-Route über Malta, oder Briefe über die Balkan-Route nach Semlin, heute Zemun, in Serbien“, erklärt Philatelist Herr Binder. Viele desinfizierte Briefe tragen neben Einschnitten und anderen Spuren auch entsprechende Stempel der Stationen wie „Purifié a …“ (frz.: gereinigt in …). Wie folgender Brief (Los 5005), der 1845 von Alexandrien nach Marseille verschickt und in Malta gereinigt wurde. Dieses Exemplar weist zwei senkrechte Schnitte und den Vermerk „Purifié au Lazaret Malta“ auf.

Brief von Alexandria nach Marseille 6.6.45 mit vollem Inhalt, gedruckter Briefkopf "Magistrat de Santé en Egypte", arabischer BriefstempelBild vergrößern

In der Mitte dieses Briefes nach Marseille sind die beiden senkrechten Einschnitte durch die Quarantäne-Stationen klar sichtbar.

Mit der Entdeckung der Antibiotika wurden die Krankheiten effizient bekämpft. Aber auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts desinfizierte die Post Briefe und Postsendungen. Das wohl bekannteste Beispiel der Neuzeit sind die Anthrax-Anschläge von 2001 in den USA. Eine Woche nach dem 11. September 2001, dem Terror-Anschlag auf das World Trade Center, wurden mit Milzbrand-Sporen verseuchte Briefe an Nachrichtensender und Senatoren verschickt. 22 Menschen wurden infiziert, fünf starben daran. Deshalb wurde sämtliche Post, die an Behörden in Washington ging, bestrahlt. Dazu gehörten auch zwei Exemplare, die es nun zu ersteigern gibt (Los 5050 und Los 5051).

Kundenerklärung der Post für desinfizierte Post, desinfizierte BriefeBild vergrößern

Auch Wurfsendungen und Werbung, wie dieses Prospekt, welches an die Behörden in Washington ging, wurde zur Sicherheit bestrahlt.

Unter Los 5050 finden Sie zum Beispiel einen Prospekt, der nach der Bestrahlung in einer Plastiktüte mit aufgedruckten Erläuterungen zur Behandlung der Post an die Kunden ausgeliefert wurde. Auf der Folie wird von Seiten der Regierung der Desinfektionsvorgang beschrieben, zudem wird sich für die verspätete Zustellung und eventuelle Beschädigung von beiliegenden CDs oder wirklosen Medikamenten entschuldigt.

Hier wurde ein Teil Post- und Zeitgeschichte versteigert. Alle ERgebnisse der Auktion des Gebietes „Desinfizierte Post“ finden Sie in unserem Katalogarchiv.

Weitere Stücke finden Sie in der Bildergalerie:


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Peter Such

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