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Das Geheimnis der S.M.S. Hansa 

Die S.M.S. Hansa war Teil der deutschen kaiserlichen Marine und dank dreier Ansichtskarten eines Besatzungsmitgliedes kann der Aufenthalt des Kreuzers in Matipu im Jahr 1901 bewiesen werden

Die S.M.S. Hansa war das letzte Schiff der Victoria-Louise-Klasse und für 477 Mann Besatzung konzipiert. Es handelte sich um einen von fünf Kreuzern II. Klasse (Panzerdeckkreuzer) der Kaiserlichen Marine.
Für den Kreuzer II. Klasse N wurde im April 1896 von der AG Vulcan in Stettin der Kiel gestreckt. Knapp zwei Jahre später stand der Neubau am 12. März 1898 zum Stapellauf bereit. Die Taufe des Schiffes auf den latinisierten Namen der Hanse nahm der damalige Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Johann Georg Mönckeberg, vor. Nach ihrer Fertigstellung wurde die Hansa Anfang des Jahres 1899 von der Werft nach Kiel überführt und dort nach erfolgter Endausrüstung am 20. April in Dienst gestellt. Die anschließend stattfinden Probefahrten zogen sich bis zum 11. August hin. Während einer dieser Fahrten geriet die Hansa am 6. Juni im Großen Belt auf Grund, konnte jedoch von den Küstenpanzerschiffen Ägir und Odin freigeschleppt werden und erlitt dabei nur geringe Schäden.

Nach Indienststellung wurde die S.M.S. Hansa zum Dienst im Ostasiengeschwader abkommandiert und kam in diesem Zusammenhang auch während des Boxeraufstandes zum Einsatz.
Das Schiff besuchte zunächst im Oktober 1900 Nagasaki und wurde ab dem 30. Dezember 1900 in Hongkong einer Überholung unterzogen. Am 5. März 1901 war der Kreuzer in Tsingtau zurück und erhielt Ende des Monats den Befehl, das Deutsche Reich bei den Feiern zur Gründung des Commonwealth of Australia zu vertreten. Über Hongkong, Batavia und Fremantle erreichte die Hansa am 1. Mai schließlich Melbourne, wohin auch der kleine Kreuzer Cormoran befohlen worden war. Schiffe anderer Staaten waren ebenfalls anwesend und geleiteten gemeinsam am 18. Mai das britische Thronfolgerpaar nach Sydney, wo die Feierlichkeiten stattfanden.
Das Commonwealth of Australia wurde am 1. Januar 1901 im Centennial Park in Sydney gegründet. Im März fanden Wahlen zum neuen Bundestag statt und im Mai stand Melbourne im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, wo im (königlichen) Ausstellungsgebäude der erste Bundestag eröffnet wurde. Ein zeitgenössischer Text beschreibt die Feiern ausgiebig und berichtet u.a. davon, dass „öffentliche Gebäude, Schiffe in der Bucht und Straßenbögen mit Lichterketten beleuchtet wurden. Auch wurden große provisorische Bögen von chinesischen und deutschen Gemeinden, der Milchindustrie, Räten und der Landesregierung errichtet.“
Nach einem kurzen Treffen mit dem Vermessungsschiff Möwe im Anschluss an die Feierlichkeiten kehrte die Hansa über Sydney, MATUPI und Manila nach Tsingtau zurück, wo sie am 19. Juni wieder eintraf.

Die Hansa diente während des Krieges in Kiel als Wohnschiff für Torpedobootbesatzungen. Am 6. Dezember 1919 wurde das Schiff schließlich aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und 1920 in Audorf bei Rendsburg abgewrackt.
All dies ist gut dokumentiert und das Standardwerk der Marinepost und -schiffspost von Pohlmann/Kessing beschreibt unter dem MSP 46.1.2.5 die diversen Aufenthalte. Einzig der Aufenthalt in Matupi, Deutsch-Neuguinea war bislang nicht belegt und ist daher im Katalog mit „n.b.“ notiert.

Die folgenden drei Ansichtskarten schließen allerdings genau diese Wissenslücke und lüften ein historisches und philatelistsches Geheimnis: Alle drei Karten stammen von dem gleichen Absender an Bord der S.M.S Hansa und sind ebenso alle an Hubert Schmitz in Barop bei Dortmund (heute der statistische Bezirk 61 und zugleich ein südwestlicher Stadtteil der kreisfreien Großstadt Dortmund) adressiert. Sie wurden als portofreie Feldpost versandt.

Die erste Karte zeigt die Hansa in voller Pracht und wurde am 5. April 1901 in Hongkong geschrieben. Das stimmt exakt mit den Daten im Handbuch (5.4.-10.4.) überein, wobei der schlecht lesbare MSP-Stempel 46 eher den 4.4. zu zeigen scheint. Klar zu erkennen ist das Ankunftsdatum in Barop am 9. Mai 1901.

Beschriebene Vorderseite der ersten Ansichtskarte von Hongkong nach Barop, 1901. 
Rückseite der ersten Ansichtskarte von Hongkong nach Barop, 1901.


Die zweite Karte wurde wohl beim Landgang in Batavia (heute: Jakarta) erworben und auch dort geschrieben. Das Datum 14.4.1901 ist vermerkt, allerdings gibt das Handbuch für Batavia den Zeitraum 16.4.-22.4. an. Abgebildet ist das Hotel Wisse in Batavia auf einer „Briefkaart uit Nederlandsch-Indië“. Die Karte erreichte ihre Destination Barop nur 2 Tage nach Nummer 1, nämlich am 11.5.1901.

Beschriebene Vorderseite der zweiten Ansichtskarte von Batavia (Jakarta) nach Barop, 1901.
Rückseite der zweiten Ansichtskarte von Batavia (Jakarta) nach Barop, 1901.


Die dritte und letzte Karte ist es nun, um die es sich vor allem dreht. Eine Mehrbildlithographie von „C. Jacobsens Kunstanstalt, Altenburg, S.-A.“ ist vom Schreiber datiert mit Matupie [sic] den 3.6.1901. Im Text heißt es: „Lieber Hubert! Teile dier hierdurch mit daß wir am 1. hier angekommen sind und morgen den 4.von hier nach Manila fahren ich bin noch gesund und munter und hoffe dasselbe…“. Das stimmt genau mit den Eintragungen im Handbuch überein. Der MSP 46 wurde allerdings erst am 19.6.01 abgeschlagen, als die Hansa bereits Tsingtau wieder erreicht hatte und die Karte kam erst am 30. Juli 1901 in Barop an.

Beschriebene Vorderseite der dritten Ansichtskarte von Matupie (Matipu) nach Barop, 1901.
Rückseite der dritten Ansichtskarte von Matupie (Matipu) nach Barop, 1901.


Fazit: Obgleich es keinen Stempelabschlag aus dem Zeitraum 1. Juni 1901 bis 4. Juni 1901 gibt, erschließt sich aus der kleinen Korrespondenz, dass die S.M.S. Hansa in Matupi vor Anker lag, die Mannschaft Landgang hatte (Kauf der Ansichtskarte) und die im Handbuch angenommenen Daten stimmig sind. Vermutlich hat der Absender der Karten die letzte erst beim Bordpostamt abgegeben, als das Schiff bereits in Tsingtau einlief. Sei es, dass er erkrankt war, sei es weil er es vergessen hatte oder auch einfach, weil die Karte vorher eh nicht weiter befördert worden wäre. So scheint wieder ein kleiner weißer Fleck auf der großen Karte der deutschen Kolonialphilatelie verschwunden zu sein.





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Peter Feuser

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