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Französischer Chic an Russlands Zarenhof 

Dassiers 10 Rubel-Stück, eine Ikone der Russlandnumismatik in der Felzmann Auktion.

Rekord-Zuschlag in der Herbstauktion 2022 

Dassiers 10 Rubel erhalten bislang höchsten Zuschlag für ein Einzellos bei Felzmann

Mit besonders viel Spannung wurde das Katalog-Titelstück, der seltene Entwurf von Dassiers 10 Rubel aus dem Jahr 1757 (Los 730, Ausruf: 150.000 Euro) erwartet, der durch die Empfehlung eines hochrangigen Sammlers ihren Weg auf unser Titelfoto fand.

Vier Telefonbieter standen bereit und auch im Saal wurden Gebote abgegeben. Nach einem hitzigen Bietergefecht fiel der Hammer am Auktionspult bei Auktionator Peter B. Feuser schließlich bei dem Rekordzuschlag von 260.000 Euro. Die Münze geht damit an einen neuen Sammler, der sich über das besonders schöne Exemplar freuen kann, das erst kürzlich bei NGC mit einer Erhaltung von AU 55 gegraded wurde.

Und auch im Auktionssaal wurde im Anschluss gebührend auf den Zuschlag angestoßen.

Katharinenpalast, St. Petersburg (Bild: Wikipedia)

Hochsommer 1756 – ein Schiff segelt in Richtung des zaristischen Russlands. Darauf Jacques-Antoine Dassier, Sohn des berühmten Genfer Medailleurs Jean Dassier. Die Seereise ist nach dem Übertritt in die Ostsee ruhig aber heiß und Dassier jun. muss sich umstellen von den kühl-nebeligen Zuständen an seiner bisherigen Wirkungsstätte London.


Wochen zuvor hatte ihn Zarin Elisabeth an ihren Hof gerufen und der 40jährige Künstler war dem Ruf, nachdem George II. ihn schweren Herzens hatte gehen lassen, nur zu gerne gefolgt. Die Tätigkeit an der Royal Mint, welche er seit 1740 ausgeübt hatte, füllte ihn vielleicht nicht mehr aus. Eventuell war es auch der Reiz des fernen und ihm noch unbekannten Ostens, welche den jungen Mann dazu brachte, die Zelte in Westeuropa abzubrechen. London, Rom, Paris (wo er u.a. mit Montesquieu zusammentraf und ein Wachsportrait von diesem anfertigte) sowie seine Geburtsstadt Genf ließ er hinter sich und begab sich in ihm unbekannte Gefilde.


Den Weg dahin hatte Jacques-Antoine der Genfer Goldschmied Jérémie Pauzié geebnet, welcher 1750 und 1751 hochwertige Produkte aus der Werkstatt Dassier von den Hängen des Jura an die Ostsee gebracht und Zarin Elisabeth am St. Petersburger Hofe überreicht hatte. Jedenfalls beschreibt es Pauzié so in seinen Memoiren. Eigentlich sollte der junge Dassier an einer neuen Kunstakademie in St. Petersburg unterrichten. So jedenfalls stellte es sich Iwan Iwanowitsch Schuwalow vor, ein Günstling und Liebhaber der Zarin. Zugleich war Schuwalow ein Vertreter der russischen Aufklärung. Jacques-Antoine Dassier wurde dem Schwaben Jakob Stählin unterstellt, mit dem er sich hervorragend verstand und dessen Aufzeichnungen wir viele Details über Dassiers Leben und Wirken am russischen Hof verdanken.


Kaum in St. Petersburg angekommen nahm Dassier die Arbeit auf und widmete sich, neben der Aufgabe seine „Kunst, Münzen und Medaillen zu gravieren an so viele russische Schüler wie gefordert“ weiterzugeben, diversen Projekten: er schuf 1758 eine heute überaus rare Medaille auf seinen Gönner Schuwalow, gravierte weitere gesuchte Medaillen, entwarf einen neuen Stempel für Rubelmünzen (Bitkin 189) und er schuf eben das 10 Rubel Stück, welches in der 176. Auktion von Felzmann angeboten wird.


Dassier erhielt für seine Tätigkeiten ein wahrhaft fürstliches Gehalt von 2.500 Rubel sowie 250 niederländischen Dukaten pro Jahr, ab 1758 sogar 3.000 Rubel pro Jahr. Seine künstlerischen Erfolge und seine Beliebtheit am russischen Hof konnten jedoch nicht verhindern, dass seine seit längerem schwelende Tuberkulose ihn immer stärker schwächte. Seine geplante Beteiligung an einer geplanten Medaillensuite von 150-180 Stücken konnte der Künstler nicht mehr ausüben. Im Herbst 1759 verließ er auf einem britischen Schiff St. Petersburg und beabsichtigte, in die Heimat zurückzukehren. Das sollte ihm nicht mehr vergönnt sein. Er schaffte es mit Müh‘ und Not bis Kopenhagen, wo er in der Residenz des dänischen Premierministers am 21. Oktober 1759 im Alter von nur 43 Jahren an den Folgen seiner Tuberkuloseerkrankung verstarb.


Uns liegt nun eine der wichtigsten Kreationen Dassiers vor: sein 10 Rubel-Stück von 1757. Das angebotene Exemplar ist NGC gegraded und befindet mit einer Erhaltung von AU 55 in einem äußerst feinen Zustand. Der Startpreis von 150.000 € ist sehr moderat angesetzt und es bleibt zu hoffen, dass dieser Münze die Aufmerksamkeit zuteilwerden wird, welche dieser numismatischen und historischen Rarität gebührt!


Los 730 im Online-Katalog


Kaiserin Elisabeth I. von Russland, Gemälde von Charles André van Loo, 1760 (Bild: Wikipedia) 


Losbeschreibung: Seltene 10 Rubel von 1757, Elisabeth I., 1741-1762  - St. Petersburg

Los 730, Auktion 176, Ausruf: 150.000 Euro

Stempel von J. Dassier, Av.: bekröntes Brustbild mit umgelegtem Mantel nach rechts, Rv.: vier gekrönte Wappen ins Kreuz gestellt, in der Mitte Adlerschild, in den Winkeln die geteilte Jahreszahl 1 - 7 / 5 - 7 sowie je eine Rose, Riffelrand, winziges Zainende bei 17.30 Uhr, Jaques Antoine Dassier (1715 - 59), der Sohn des berühmten Medailleurs und Münzgraveurs Jean Dassier (1676 - 1763), war selbst eine führende Koryphäe der Medaillenkunst des 18. Jahrhunderts. Von 1740 bis 1745 war er Assistent des Graveurs an der Königlichen Münze in London. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Russland, wo er die Prägestempel für Elisabeths Silberrubel und ihre goldenen 10 Rubelstücke herstellte, starb er 1759 in Kopenhagen. Seine Entwürfe gehören zu den interessantesten und attraktivsten der damaligen Zeit und sind heute sehr gefragt. Im NGC-Slab mit dem Grading AU 55 - einer der besten Erhaltungen für diese Münze.

Los 730 im Online-Katalog

Video: So kam es zu der Einlieferung der 10 Rubel von Dassier 

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Peter B. Feuser

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